Manchmal gibt es ein Thema, das sich nicht in eine einzige Blogparade pressen lässt. Was mich gerade bewegt, passt gleich zu vier Aufrufen auf einmal, deshalb schreibe ich heute einen einzigen Beitrag dazu.
Es geht um Zuversicht in schwierigen Zeiten (das Thema der Blogparade von Beziehungsweise Cologne) und um die Frage, wofür wir die Freude wählen (Thema der Blogparade von Life-Surfer). Zudem geht es um die Dinge, die ich noch erleben, lernen und bewirken möchte (das Thema der Blogparade von Marianna Sajaz) und um mein Leben als Sammlung schöner Momente (die Blogparade von Katharina Bonné). Für mich gehören diese vier Themen gerade untrennbar zusammen.
Inhalt
Wenn der Boden wackelt
Ich stecke gerade in einer schweren Zeit. Der Tod meiner Mutter liegt noch nicht lange zurück, und eine belastende Situation in der Familie reißt immer wieder neue Wunden auf. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wollte ich diesen Beitrag schreiben. Denn ich habe in den letzten Wochen etwas gemerkt: Mein Leben ist auch gerade jetzt voller Momente, die mich tragen. Ich muss nur bewusst hinschauen.
Nicht allein – was mir besonders Halt gibt
Mein Mann gibt mir besonders in dieser Zeit sehr viel Halt. Wenn ich wieder einmal durch irgendein Ereignis zurückgeworfen werde, fängt er mich auf. Neulich saßen wir zusammen, nachdem ich wieder einmal mit einer schwierigen Nachricht aus der Familie konfrontiert war. Er hat mir nicht mit großen Worten geholfen, sondern mit seiner ruhigen Art. Er hat mir gezeigt, was der nächste Schritt sein könnte, und mir versichert, dass ich dabei nicht allein bin. Genau das ist für mich Zuversicht: nicht das Gefühl, dass sich sofort alles ändert. Sondern das Wissen, dass ich nicht allein agieren muss.
Kleine Fluchten aus dem Alltag
Freude finde ich zurzeit vor allem an zwei Orten: am Basteltisch und unterwegs mit meinem Mann.
Wenn ich eine Karte gestalte, kann ich die Welt für eine Weile einfach vergessen. Das Papier, die Farben, das Stempelkissen – für diese Momente ist kein Platz mehr für die schweren Gedanken. In den letzten Wochen sind gleich zwei Karten entstanden, die das gut zeigen. Für die eine, eine Hochzeitskarte, habe ich einen gerissenen Hintergrund mit Pergament unterlegt, dazu ein Fischernetz, kleine Muscheln, Seesterne und ein Segelboot in Rosa- und Petroltönen. Genau diese Mischung aus Struktur und Transparenz gefällt mir daran besonders gut. Die zweite Karte ist heute in kurzer Zeit entstanden, ganz einfach gehalten, nur gestempelt: ein Meer mit Segelbooten und Wolken in Blautönen. Gerade weil sie so schnell ging, hat sie mir richtig gutgetan.
Auch Treffen mit meinen beiden Freundinnen, bei denen wir meistens basteln, tun mir einfach nur gut. Zusammensitzen, über alles Mögliche quatschen und dabei etwas Schönes gestalten – das sind kleine Auszeiten, die mich aufrecht halten.
Genauso wichtig sind die kleinen Fluchten aus dem Alltag, die mein Mann und ich uns immer mal wieder gönnen. Im Juni waren wir fünf Tage in Köln, und gleich zweimal haben wir uns eine Astronomie- und Musikshow im Planetarium in Bochum angeschaut. Ein paar Stunden oder ein paar Tage – mehr braucht es manchmal nicht, um wieder Luft zu holen.
Was ich noch erleben, lernen und bewirken möchte
Gerade in einer schweren Zeit merke ich besonders deutlich, was mir wichtig ist.
Mein größter Wunsch: noch viele Jahre an der Seite meines Mannes zu verbringen. Daneben stehen zwei Reiseträume ganz oben auf meiner Liste – einmal nach St. Petersburg und einmal nach Norwegen zu fahren, würde mich sehr glücklich machen.
Auch beim Lernen gibt es etwas, das ich mir schon lange vornehme: richtig nähen können. Ich nähe zwar ein bisschen, aber nicht regelmäßig und nicht wirklich gut. Vor einer Weile habe ich mir Onlinekurse von Kaidso gekauft, die möchte ich endlich in Ruhe erarbeiten und damit ordentlich nähen lernen.
Und dann ist da noch etwas, das ich bewirken möchte: Ich möchte Nähe, Freundlichkeit und Gemeinschaft verbreiten – mit meiner Kreativität. Treffen mit meinen Freundinnen empfinde ich immer als wunderschön, und genau dieses Gefühl von Verbindung möchte ich auch mit meinem Blog und meinen Karten weitergeben. Stampin‘ Up! trägt diese Werte übrigens genauso in sich.
Zwei Momente, die bis heute nachleuchten
Wenn ich in meinem Leben nach Momenten suche, die noch heute in mir strahlen, dann sind das diese zwei.
Der erste: unser erstes privates Treffen, in einer Eisdiele am 29. Dezember. Mein Mann hat von sich erzählt, und ich habe die halbe Zeit nur gesagt: „Ich auch.“ So viele Übereinstimmungen, das war für mich fast unglaublich. Ich habe beim Abschied gedacht, „der Kerl hält Dich für bekloppt“. Das tat er jedoch nicht und nur wenige Wochen später waren wir ein Paar. Seitdem ist der 29. jeden Monats „unser“ Tag.
Der zweite Moment liegt schon viele Jahre zurück. Ich war mit meinem Vater und unserem Familienhund mehrere Stunden im Wald unterwegs, eher eine Wanderung als ein Spaziergang. Dort waren gerade Harvester beim Holz rücken, und das hat meinen Vater ins Erzählen gebracht: von früher, als er selbst mit einem Kaltblut Holz gerückt hat. Es war ein trockener Tag, wir liefen einfach nebeneinander her, und irgendwann kam seine Frage, ob ich mein ganzes Leben lang allein bleiben möchte. Damals hatte ich weder Freunde noch einen Partner, und ich habe „ja“ gesagt. Damals konnte ich mir eine Beziehung einfach nicht vorstellen. Es war für mich okay so.
Mittlerweile ist das zum Glück anders. Heute kann ich mir mein Leben ohne meinen Mann nicht mehr vorstellen. Genau deshalb berührt mich dieser Moment mit meinem Vater bis heute.
Zum Schluss
Vier Blogparaden, ein Beitrag – und für mich am Ende eine Erkenntnis: Auch wenn gerade vieles schwer ist, bin ich nicht allein. Mein Mann ist da, meine Freundinnen sind da, und selbst kleine Fluchten wie eine gebastelte Karte oder ein Wochenende in Köln erinnern mich daran, dass Freude kein Luxus ist.
Wenn Du magst, nimm Dir gerne einen Moment Zeit und schau selbst in Dein Leben: Welche Momente leuchten bei Dir gerade nach? Ich lese gerne davon in den Kommentaren. Oder Du machst noch bis zum 02. August bei einer der oben genannten Blogparaden mit – oder bei allen, wenn Du magst.


Danke liebe Anja, dass Du bei meiner Blogparade mitgemacht hast. Und danke für deinen berührenden Artikel. Du beschreibst wunderbar, dass auch die Schwere im Leben ein Bestandteil ist, der uns nicht von allem Schönen abschneiden darf. So wahr. Und doch auch immer eine Herausforderung. Und wenn ich Dich das nächste Mal in einem TCS-Call sehe (wie gestern), dann winke ich Dir zu 🙂 Herzliche Grüße und eine große Portion Kraft sende ich Dir. Katharina
Liebe Katharina,
vielen lieben Dank, ich war sehr gerne Teil Deiner Blogparade.
Ich denke, dass wir auch Schwere im Leben brauchen, natürlich nicht nur, aber ein bisschen doch. Denn wann sollen wir das Schöne schätzen, wenn nicht auch ein bisschen Schwere da ist? Nur überhand nehmen darf es nicht.
Der Call gestern war super und hat mich auch ein gutes Stück weiter gebracht. Ich hoffe, er war für Dich genauso erfolgreich.
Nochmals vielen lieben Dank und
viele liebe Grüße,
Anja
Liebe Anja,
dein Beitrag zeigt auf sehr eindrückliche Weise, dass Zuversicht nicht bedeuten muss, sich stark zu fühlen oder bereits zu wissen, wie alles gut werden soll.
Für mich liegt eine besondere Stärke deines Textes darin, dass du das Schwere nicht ausblendest und dennoch danach fragst, was dich inmitten dieser Situation trägt. Genau dort wird Zuversicht greifbar: nicht als Gegenentwurf zur Trauer oder Belastung, sondern als etwas, das gleichzeitig mit ihnen da sein kann.
Sehr berührt hat mich dein Gedanke, dass Zuversicht auch das Wissen sein kann, nicht allein handeln zu müssen. Darin steckt eine wichtige Korrektur an der Vorstellung, wir müssten schwierige Zeiten vor allem aus eigener Kraft bewältigen. Getragen zu werden, Hilfe anzunehmen und sich auf andere verlassen zu dürfen, ist keine geringere Form von Stärke. In meinem eigenen Beitrag zu dem Thema nenne ich das „geliehene Zuversicht“.
Auch die kleinen Auszeiten bekommen in deinem Beitrag ein besonderes Gewicht. Sie lösen die schwierige Situation nicht auf – aber sie schaffen Atemräume. Und manchmal ist genau das entscheidend: nicht sofort eine Lösung zu finden, sondern genug Kraft für den nächsten Schritt.
Vielen Dank für diesen offenen, persönlichen und sehr ehrlichen Beitrag zu meiner Blogparade, liebe Anja. Du machst sichtbar, dass Zuversicht manchmal ganz leise beginnt – mit dem bewussten Blick auf das, was trotz allem noch trägt.
Von Herzen
Pia
Liebe Pia,
vielen lieben Dank, dass ich mit diesem Beitrag Teil Deiner Blogparade sein durfte.
Ich erlebe zurzeit sehr deutlich, dass ich vieles nur mit Unterstützung schaffe – egal, ob diese Unterstützung in Handlungen oder in Worten besteht.
„Geliehene Zuversicht“ ist ein schönes Wort dafür.
Ja, manchmal hilft so ein „Tapetenwechsel“ dabei, andere Möglichkeiten zu sehen oder einfach mal abzuschalten, wo man im vertrauten Umfeld immer nur grübelt.
Das tut gut und hilft, weiter Kraft zu haben.
Deine Blogparade ist auch so eine kleine Auszeit. Einfach mal ein etwas anderes Thema zu bearbeiten, das hat richtig Spaß gemacht.
Liebe Grüße,
Anja