Depressionen begleiten mich schon seit vielen Jahren – mal stärker, mal schwächer. Genauso begleitet mich aber auch das Basteln schon seit einigen Jahren. 2022 hatte ich einen schweren seelischen Einbruch. Damals hat mir etwas geholfen, das ich vorher nie als „Therapie“ erkannt habe: Basteln. In diesem Artikel möchte ich Dir erzählen, wie mich Stress und Selbstzweifel in die Depression getrieben haben – und wie ich durch kreative Auszeiten langsam wieder versuche zu mir zu finden. Ich freue mich, wenn Du mich auf diesem Weg begleitest und vielleicht auch etwas für Dich mitnehmen kannst.
Inhalt
Mein Zusammenbruch 2022 – Wie alles begann
Ich leide schon seit mehreren Jahren an einer rezidivierenden Depression. Bei mir kommen sie in Wellen, mal geht´s mir gut, mal wieder schlecht. 2022 im Sommer habe ich dann einen größeren Schub gehabt, der mich mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt hat. Auslöser war: Stress auf der Arbeit. Ich konnte damit einfach nicht umgehen. Kaum hatte ich eine Baustelle auf der Arbeit beseitigt, kam schon die nächste. Ich kam einfach nicht zur Ruhe.
Eines Tages war es so schlimm, dass ich nur noch am heulen war. An diesem Tag bin ich direkt von der Arbeit zu meinem Psychiater gefahren und habe um Hilfe gebeten. Er hat mir geraten, etwas für mich zu tun und an mir zu arbeiten. An mir arbeiten, das fällt mir auch nach drei Jahren noch ziemlich schwer. Was ich für mich tun kann, das war mir recht schnell klar: basteln. Das mache ich schon seit mehreren Jahren sehr gerne. Es lenkt mich ab und beschert mir Erfolgserlebnisse.
Warum Stress der größte Auslöser meiner Depression ist
Die Depressionen begleiten mich auch weiterhin. Sie sind wie ein Schatten, der immer bei mir ist. Und wie durch einen kleinen Sonnenstrahl der Schatten auffällig wird, so werden meine Depressionen durch Stress verstärkt. Und Stress habe ich nicht nur durch meine Arbeit, die ich seit mehreren Jahren nahezu alleine ausführe, sondern auch durch meine Gedanken. Immer wieder Selbstzweifel und negative Gedanken mir selbst gegenüber. Das geht teilweise so weit, dass ich Suizidgedanken habe. Glücklicherweise habe ich in meinem Mann einen Anker gefunden, der mich aufrecht hält und mich unterstützt.
Ich arbeite zwar mittlerweile Teilzeit, habe aber immer noch acht-Stunden-Tage. Manchmal kommen noch Überstunden hinzu – weil ich meine Arbeit nur sehr sehr ungern unfertig liegen lasse. Wenn ich dann am Nachmittag heimkomme, quatsche ich erstmal mit meinem Mann über unseren Tag und danach kochen wir uns Essen. Du kennst das sicherlich auch: zum Feierabend und nach dem Essen ist die Motivation, noch etwas anzufangen, sehr sehr gering. Das gemütliche Sofa lockt doch zu sehr. Das heißt, ich habe meistens keine Muße mehr, mich noch für ein Projekt zu entscheiden, das Material herauszusuchen und noch aufwändig zu basteln. Eher liege ich dann den restlichen Abend gemeinsam mit meinem Mann auf dem Sofa und wir daddeln an unseren Handys.
Wie Basteln mir hilft, mit Depressionen umzugehen
In den letzten Monaten merke ich sehr deutlich, dass Stress mich runterzieht und negative Gedanken auslöst. Und oftmals mache ich mir diesen Stress auch noch selbst! Denn ich möchte gerne alles ordentlich und genau haben, was aber halt auch viel Kraft und Zeit kostet. Leider sind Kraft und Zeit ziemlich endliche Ressourcen, sodass das natürlich schön ins Chaos führt – egal ob Gefühlschaos oder Chaos im Umfeld.
Wenn ich mich hinsetze und eine Karte bastel, dann kann ich die Gedanken etwas beiseite schieben und mich ablenken. Dann denke ich auch nicht an die negativen Dinge, sondern konzentriere mich ganz auf die Entstehung der Karte. Das beruhigt mich oftmals schon sehr und hilft mir, ruhiger zu werden. Zusätzlich habe ich in den letzten Jahren durch das Basteln ganz liebe Freundinnen kennengelernt. Diese hätte ich ohne Basteln nie getroffen und heute sind sie aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Die Treffen mit den Freundinnen oder auch die Kartentausch-Aktionen tun immer wieder gut und helfen mir durch den Alltag.
Mein Plan für mehr Ruhe und Kreativität im Alltag
Ich bin auch noch dabei, mir ein ordentliches Konzept zu erarbeiten. Vor allem, wie ich mit Stress umgehen kann, sodass mich das alles nicht so herunterzieht. Eine Idee wäre es vielleicht, dass ich mir am Abend etwa eine viertel bis halbe Stunde Zeit für mich nehme und eine schnelle Karte anfertige. Einfach nur mit etwas Farbkarton, Tinte und einem Stempelset. Das ist mein Plan, dass ich einfach mal mache und ganz schlichte einfache Kärtchen bastele. Nichts Aufwändiges, keine super aufwändige Fun-Fold-Karte oder mit zig Lagen und Bändern usw. Einfach nur ein Stück Farbkarton und etwas Tinte. Mal schauen, ob ich es umgesetzt bekomme.
Schnelle Bastelideen, wenn die Depression wieder zunimmt
Ich liebe es, bei Pinterest nach Ideen zu stöbern. Vielleicht machst Du das auch so. Bei mir besteht jedoch die Gefahr, dass ich mich „festscrolle“, sprich: ich finde kein Ende und mache dann gar nichts mehr. Daher möchte ich hier ein paar kleine Projekte vorstellen, die Dir und mir helfen sollen, einfach mal abzuschalten.



Diese Karte habe ich in etwa zehn Minuten angefertigt. Ich habe mir einfach einen Kartenrohling geschnappt und das Stempelset „Beste Birnen“ sowie Stempelkissen in Olivgrün, Lindgrün und Zitronenparfait genutzt. Zum Vergrößern klicke bitte die Bilder an.
Den Rand der Birne und die Blätter sowie den Text und die Sprenkel habe ich in Olivgrün gestempelt. Die Blüten in Lindgrün und die Birne selbst habe ich mit dem passenden Stempel zum Füllen in mehreren Schichten gestempelt. Zunächst die Birne komplett in Zitronenparfait. Als nächsten Schritt habe ich den Stempel mit Fingerschwämmchen teilweise in Lindgrün eingefärbt und gestempelt. Als Letztes dann mit einem Fingerschwämmchen den Ansatz und den linken Rand mit Olivgrün eingefärbt und erneut gestempelt.
Ich werde zwischendurch immer mal wieder neue Ideen hier rein stellen. Schau daher gerne immer wieder mal vorbei oder abonniere meinen Newsletter – dort informiere ich Dich, wenn es neue Ideen gibt.

Anja Hüttebräucker
Stille Wasser sind kreatief – ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe die Liebe zum Kartenbasteln im Laufe der Jahre entdeckt. In meiner Kreativecke zeige ich Dir, wie Du einfach wunderschöne Karten gestalten kannst und gebe Dir Inspirationen, falls Dir mal nichts einfällt. Auf meinem Blog findest Du klare, verständliche Anleitungen rund ums Kartenbasteln und Stempeln mit Stampin’ Up! – damit Du mit Freude und Leichtigkeit eigene kreative Werke erschaffen kannst.
Ich liebe Karten, die einfach zu basteln sind, aber aussehen, als hätten sie richtig viel Zeit gekostet. Wenn Du Lust auf neue Ideen und Inspiration hast, stöbere gern weiter und lerne mich auf meiner Über-mich-Seite besser kennen.


Hallo Anja,
ich kann das so gut nachvollziehen, ich befinde mich selbst auch oft in der Basteltherapie und es tut so gut, abschalten zu können und die Sorgen und Probleme von sich weg zuschieben. Ich wünsch dir ganz viel Spaß beim Karten gestalten, besonders Weihnachten lädt ja dazu ein. Meine Leidenschaft liegt eher beim Journalen und Papierdruck. Am Ende kommts aber nicht auf den kreativBereich an, sondern dass kreativZeit immer Platz hat im Kalender, oder?😉
Liebe Grüße
Maren aus der Bastelfarbstube
Liebe Anja, so ein schöner und ehrlicher Bericht. Ich habe auch viele Jahre Karten gebastelt. Mittlerweile male ich lieber Malbücher aus. Egal was oder wie, diese Tätigkeiten sind einfach unglaublich bereichernd und beruhigend gleichzeitig. Ich galube gerade für dich mit dem Hintergrund der Depression hast du hier ein unglaubliches Tool zum Heilen und erholen gefunden. Und ja, ich kenne auch die stundenlangen Phasen auf pinterest, von einem post zum nächsten 😅
Alles Liebe, Monika
Hi Anja, danke für die ehrlichen und unaufgeregten Einblicke. Ich denke, das ist super wertvoll und kann einigen Menschen richtig Mut machen und Kraft geben, eine kleine Stütze sein, wenn die Welt wieder mal zu dunkel wird.
Musste spontan an ein Notfall-Bastel-Set denken, das immer bereit liegt, wenn du es brauchst. 💛 LG, Antonia
Liebe Antonia,
vielen lieben Dank für Deine wertschätzenden Worte. Dein Kommentar zeigt mir, dass es doch richtig war, diesen Artikel zu veröffentlichen.
Wow, das Notfall-Bastel-Set ist eine super Idee. Da bin ich noch nicht drauf gekommen. Danke für diese Anregung, da werde ich mal nachdenken (nein, nicht grübeln).
Ich danke auch Dir von ganzem Herzen für Deinen lieben Kommentar und drücke Dich aus der Ferne.
Liebe Grüße,
Anja
Wow, liebe Anja! Danke für diese starken Worte. Basteln als Therapie finde ich wunderbar und gar nicht so abwegig. Schließlich machen Ergotherapeuten ähnliche Dinge mit ihren Patienten: Sie arbeiten mit den Händen, stellen etwas her. Toll, dass du diese Möglichkeit des Ausgleichs für dich gefunden hast. Ich drücke dir die Daumen, dass du eine gute Abend-Routine für dich findest. Ich wünschte, ich könnte mich auch öfter zum Basteln aufraffen. Zumindest die Weihnachtskarten stehen aber auf meiner To-Want-Liste 😉
Liebe Sabine,
ganz ganz lieben Dank für Deinen aufmunternden Kommentar! Stimmt, Ergotherapeuten machen ja auch nicht so viel anderes. Ich habe heute früh auch ein paar schnelle Danke-Karten gefertigt – Fotos lade ich noch hoch. Das hat richtig gut getan!
Ich kämpfe mich langsam aus meinem Tief heraus und hoffe, dass ich mit Hilfe der Medikamente, der psychologischen Betreuung und des Bastelns wieder in den positiven Bereich komme.
Dankeschön fürs Daumen-drücken. Vielleicht erstmal mit schnellen Karten starten? Die Danke-Karten haben nur etwa 10 Minuten pro Karte benötigt.
Ich danke Dir von ganzem Herzen für Deinen lieben Kommentar und drücke Dich aus der Ferne.
Liebe Grüße,
Anja